Ambulante Pflege
In der ambulanten Pflege müssen nach der Biostoffverordnung keine Schutzstufen festgelegt werden. Das bedeutet nicht, dass keine Anforderungen gelten. Angemessene Schutzmaßnahmen sind trotzdem festzulegen, und die TRBA 250 behandelt die häusliche Versorgung in einem eigenen Abschnitt, der in der Neufassung ausgebaut wurde.
Praktisch stellen sich hier andere Fragen als im Heim. Der häusliche Bereich des Patienten zählt ausdrücklich zum Arbeitsbereich. Es gibt aber keinen Umkleideraum und keinen Wäschesack auf dem Flur. Wer in der ambulanten Pflege arbeitet, braucht deshalb organisatorische Lösungen im Fahrzeug: Schutzkleidung zum Mitnehmen, ein geschlossener Behälter für verunreinigte Kleidung, eine Möglichkeit zur Händedesinfektion. Für Pausen bei mobilen Einsätzen verlangt die Regel, dass Arbeitskleidung mit ausreichendem Abstand zu den Beschäftigten gelagert wird.
Bewegungsfreiheit ist in diesem Setting ein Thema für sich. Wege, Treppen und Transfers in fremden Wohnungen ohne Hilfsmittel belasten anders als eine Station mit Pflegebett. Unser Sortiment für Pflegeberufe berücksichtigt genau diese Unterschiede zwischen den Einsatzbereichen.
Kleiderordnung schriftlich regeln: Leitfaden für Pflegeleitungen
Viele Einrichtungen haben mündliche Gewohnheiten statt schriftlicher Regeln. Das funktioniert, bis jemand nachfragt oder etwas passiert.
Was in eine Dienstanweisung gehört
Eine Dienstanweisung zur Kleidung sollte diese Punkte beantworten:
- Geltungsbereich: Für welche Bereiche und welche Berufsgruppen gilt die Anweisung?
- Was gestellt wird: Welche Kleidungsstücke stellt die Einrichtung, in welcher Stückzahl, in welchen Größen?
- Zuordnung der Kategorien: Welche Stücke sind Arbeitskleidung, welche haben allgemeine Schutzfunktion, welche sind Schutzkleidung? Diese Zuordnung ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung.
- Tragepflichten je Tätigkeit: Bei welcher Tätigkeit ist welche Schutzkleidung anzulegen?
- Wechselintervall: Wie oft wird gewechselt, und was gilt bei Verunreinigung?
- Reinigungsweg: Wer wäscht was, und über welchen Sammelweg gelangt die Kleidung dorthin?
- Regeln zu Schmuck, Nägeln und Ärmeln: Mit Begründung, weil das die Akzeptanz erhöht.
- Anforderungen an Schuhe: Mit den Kriterien, nicht mit Modellnamen.
- Zuständigkeiten: Wer beschafft, wer kontrolliert, an wen wenden sich Beschäftigte bei Problemen?
Beschaffungskriterien festlegen
Statt einzelne Artikel zu benennen, lohnt es sich, Kriterien in die Beschaffungsrichtlinie zu schreiben. Bewährt haben sich:
- Eignung für gewerbliche Aufbereitung und Desinfektion
- Formstabilität über viele Waschzyklen
- Bewegungsfreiheit im Schultergürtel, weil Transfer und Lagerung genau dort belasten
- Elastische Materialanteile und dehnbare Bündchen bei Hosen für Pflegeberufe
- Größenbandbreite, die alle Körperformen im Team abdeckt
- Helle Farben in Bereichen, in denen Verschmutzungen erkennbar sein sollen
Der Punkt Größenbandbreite ist seit der Neufassung mehr als eine Komfortfrage. Schutzausrüstung ist in passender Form und Größe bereitzustellen. Wo Größen fehlen, entstehen Eigenlösungen, und die halten weder Hygiene- noch Arbeitsschutzanforderungen ein.
Team einbinden
Die TRBA 250 verlangt, dass Beschäftigte bei der Auswahl der Schutzausrüstung in geeigneter Weise beteiligt werden. Das ist nicht nur eine Formalie. Kleidung, die nicht angenommen wird, wird umgangen. Probeaktionen vor der verbindlichen Einführung und eine Feedbackrunde nach einigen Wochen kosten wenig und verhindern teure Fehlentscheidungen.
Ebenfalls neu und leicht zu übersehen: Der korrekte Sitz der Schutzausrüstung muss unterwiesen und geübt werden. Eine Unterschrift auf einem Unterweisungsbogen genügt dafür nicht.
Checkliste zum Abhaken
- Gefährdungsbeurteilung auf die Fassung der TRBA 250 von November 2025 aktualisiert
- Kleidungskategorien je Bereich und Tätigkeit zugeordnet
- Bedarf an Arbeitskleidung mit allgemeiner Schutzfunktion geprüft
- Wechselintervalle festgelegt und im Hygieneplan dokumentiert
- Reinigungsweg geklärt, Vertrag mit Wäscherei geprüft
- Ausreichende Stückzahl für kurzfristigen Wechsel vorhanden
- Größenbandbreite geprüft, Lücken geschlossen
- Getrennte Umkleiden vorhanden, Trennung von Pausenräumen geregelt
- Sammelbehälter für verunreinigte Kleidung an allen nötigen Stellen
- Regeln zu Schmuck und Nägeln schriftlich, Nagellack entschieden
- Schuhkriterien in der Beschaffungsrichtlinie verankert
- Lösung für ambulante Touren im Fahrzeug organisiert
- Unterweisung durchgeführt, Sitz der Schutzausrüstung geübt
- Dienstanweisung schriftlich, Team informiert
Häufige Fragen zu Arbeitskleidung in der Pflege
Die folgenden Fragen erreichen uns besonders häufig. Die Antworten fassen zusammen, was in den vorigen Abschnitten ausführlicher erläutert wird.
Wer muss die Arbeitskleidung in der Pflege bezahlen?
Schutzkleidung zahlt immer der Arbeitgeber, eine Kostenbeteiligung der Beschäftigten ist unzulässig. Für Arbeitskleidung mit allgemeiner Schutzfunktion gilt dasselbe, sobald die Gefährdungsbeurteilung sie festlegt. Bei einfacher Berufs- oder Dienstkleidung ohne Schutzfunktion entscheiden Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag.
Darf ich Arbeitskleidung aus der Pflege zu Hause waschen?
Schutzkleidung und verunreinigte Arbeitskleidung dürfen nicht zum Reinigen nach Hause mitgenommen werden. Das gilt auch für Privatkleidung, die während der Arbeit verunreinigt wurde. Bei nicht verunreinigter Arbeitskleidung ohne Schutzfunktion ist die Reinigung zu Hause nicht generell verboten, aber schwer zu kontrollieren.
Wie oft muss Arbeitskleidung in der Pflege gewechselt werden?
Ein festes Intervall gibt es in den Regelwerken nicht. Vorgeschrieben ist ein regelmäßiger Wechsel sowie ein Wechsel bei Bedarf. Das konkrete Intervall legt die Einrichtung über Gefährdungsbeurteilung und Hygieneplan fest. Bei Verunreinigung ist sofort zu wechseln.
Welche Schuhe sind in der Pflege erlaubt?
Vorne und hinten geschlossene Schuhe mit fester Fersenkappe, rutschhemmender Sohle, flachem Absatz und desinfizierbarem Material. Berufsschuhe nach EN ISO 20347 sind für die allgemeine Pflege der Regelfall.
Darf man in der Pflege Ringe oder eine Uhr tragen?
Nein, bei allen Tätigkeiten, die eine hygienische Händedesinfektion erfordern. Das Verbot umfasst ausdrücklich auch Eheringe sowie Armbanduhren, Piercings, künstliche Nägel und Freundschaftsbänder an Händen und Unterarmen.
Was ist der Unterschied zwischen Berufskleidung und Schutzkleidung?
Berufskleidung ist Arbeitskleidung ohne besondere Schutzfunktion, etwa der Kasack. Schutzkleidung soll verhindern, dass Arbeits- oder Privatkleidung durch biologische Arbeitsstoffe verunreinigt wird, etwa der Schutzkittel darüber. Seit 2026 gibt es zwischen beiden die Kategorie Arbeitskleidung mit allgemeiner Schutzfunktion.
Gilt in der ambulanten Pflege dasselbe wie im Pflegeheim?
Die Regel gilt für beide, wird aber unterschiedlich angewendet. In der ambulanten Pflege müssen keine Schutzstufen festgelegt werden, angemessene Schutzmaßnahmen aber trotzdem. Der häusliche Bereich zählt zum Arbeitsbereich, sodass organisatorische Lösungen im Fahrzeug nötig sind.
Ist Arbeitskleidung in der Pflege steuerlich absetzbar?
Selbst getragene Kosten für typische Berufskleidung sind als Werbungskosten absetzbar, wenn die Kleidung objektiv nahezu ausschließlich beruflich nutzbar ist. Ein Kasack erfüllt das, eine weiße Hose in der Regel nicht.
Hinweis: Stand: [09/2026]. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die geltenden Regelwerke und stellt keine Rechtsberatung dar. Für die verbindliche Auslegung im Einzelfall wenden Sie sich an Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit, Ihren Betriebsarzt oder die zuständige Berufsgenossenschaft.